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Unikat

Ina Kitroschat-Vogt

Er war schon immer einzigartig, ein Unikat unter Vielen. Ihn gab es nie zweimal. Alles an ihm wirkte mühelos. Kein Echo begleitete ihn. Sein Klang faszinierte, sein Gang war unbeschreiblich. Das bewunderte ich stets. Dann verschwand er. Tauchte unter. Ward nicht mehr gesehen. Jetzt sah ich viele wie ihn – mit seinen Haaren, seinen Augen, seiner Größe, seiner Stimme, seinem Gang und seinem Gesicht. Aber alle waren anders. Niemand war er. Ich begann ihn zu vermissen. Seine Einmaligkeit zu vermissen. Jetzt gab es alles mehrfach. Seine Haare, seine Augen, seine Größe, seine Stimme, seinen Gang und sein Gesicht. Und ich schrieb ein Gedicht darüber. Doch es machte mich nicht glücklich:

„Er war ein Unikat!
Ihn gab es nie zweifach.
Ich sah ihn noch lang –
Sein Gang, sein Klang, wie er war,
sein Schritt, sein Ton, sein Gesang.“

Ein herbstlicher Spaziergang

Ina Kitroschat-Vogt

 

Es war ein herbstlicher Spaziergang, bei dem ich die Sonne nur erahnen konnte. Grauer Dunst legte sich lächelnd über die Felder. Die Stadt verschwand hinter einem schützenden Wall aus verschluckendem Nebel. Links von mir lachten Raben. Es klang, als lachten sie über meinen eigenen Namen. Ich sehnte mich nach der Stadt und nach einem frischgebrühten Kaffee. Für mich war die Zeit gekommen in die warmen Gassen einzulenken – fort von ihrem Gelächter, fort von ihrem Gekrächze. So bog ich nach links, doch ihr Lachen folgte mir für eine Weile. Es war fern und verzerrt. Der Nebel verschob bloß seine Grenzen. Die Stadt kam näher und ich atmete die Vorfreude aus und ein. Entgegen kamen mir Häuser und Geschäfte, große und kleine Fenster. Sie waren allesamt bestückt mit Lichtern, Leben und vielleicht auch dem Duft nach Kaffee. In eins von ihnen bog ich ein und es roch nach Erinnerungen, Gesprächen und ein wenig nach mir selbst.