Zum Hauptinhalt springen

Espressobeobachtungen (ein Bäckereimorgen)

Ina Kitroschat-Vogt

 

Allein auf dem Tisch steht ein starker Espresso.

Ein Rollkoffermann steht am Tresen.

Er schaut nach links, nach rechts ebenso,

Dann ging er. Das wars wohl gewesen!

 

Hinter dem Tresen, da steht eine Frau.

Die Frau beschaut ihn sehr keck.

Er schaut zurück, denkt sich vielleicht: „Wow“.

Dann guckt die Frau auch schon weg.

 

Sie geht an den Tresen und bestellt.

Adrett kratzt sie sich am Knie.

Sie bedankt sich, was sich gut verhält:

„Zwei Butterbrezel für sie“.

 

Er geht an den Tresen und bestellt:

„Einen Kaffee“, bekommt und bezahlt.

Der Zuckergehalt wird sichergestellt.

Die Bohnen sind frisch gemahlt.

 

Er tippt in sein mobiles Telefon.

„Was hätten Sie gerne?“, fragt sie.

Er zeigt auf das Brötchen, sagt keinen Ton.

Sein Blick widmet sich dem Handy.

 

Und so bekommt jeder über kurz oder lang

Was das Herz begehrt,

was dort lag oder hing,

was sättigt und was ernährt.

Unter Leuten (Guten Tag, Berlin)

Ina Kitroschat-Vogt

 

Berlin Friedrichstraße. Die U-Bahnstation hinter dem Café riecht unangenehm nach Urin. Mein Salted Caramel Machiatto ist inzwischen kalt geworden. Der Strohhalm aus Papier ist seit fünf Schlücken verbogen. Ein Kellner nimmt mein leeres Glas mit. Ich sitze hier noch eine Weile und warte auf jemanden. Jemanden zum Unterhalten, jemanden zum Lieben, einfach auf jemanden. Während ich warte, verladen Müllmänner den Müll. Straßenbahnen fahren vorbei. Passanten sind unterwegs. Gegenüber liegt ein umgekipptes Fahrrad. Es ist hellgrün. Sein Rahmen ziert ein eleganter Schwanenhals.

Erneut hole ich mir einen Kaffee und bleibe alleine. Der Himmel ist grau. Ich hole mein Tagebuch hervor und schreibe ein paar belanglose Zeilen. Ein Mann im Rollstuhl fährt vorüber. Menschen mit Rollkoffern beeilen sich. Ein junger Mann telefoniert. Der kleine Chihuahua, hinter der Frau, hat keine Lust mehr auf seinen Spaziergang. Eine Frau mit Kuchen und ein Herr mit Blumen laufen in entgegengesetzten Richtungen aneinander vorbei. Neben mir raucht ein Paar in seinen Fünfzigern Zigaretten. Sie haben einen kleinen Hund bei sich. Den füttern sie mit einem buttrigen Croissant. Der Hund frisst!

Es wird Zeit zum Zahlen. So stehe ich auf, gehe hinein und bezahle bar. Zwei Euro landen in der Kaffeekasse. Ich verlasse den Laden und begebe mich auf die Straße mitten unter die Leute. Guten Tag, Berlin.