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Einträge mit dem Schlagwort Gedicht Lyrik Dada Dadaismus

Der unwirsche Ausruf meiner Mutter

Ina Kitroschat

Die Treppe hagelt in marmornen Tönen
Rosenrot-scheppernd
meinen Füße entgegen:
Tripp-Trapp!

„Eingeschlafene Füße gähnen nicht!“:
ruft Mutter, die unten den Hammer schwingt.
Wieso den Hammer?
Und nicht das Putztuch bis alles blinkt? (Häh?)

Hörst du wie meine Seele, die teure,
auf den gemarmorten Boden platscht,
diejenige, die heimlich-schmunzelnd unter meiner Brustdecke sitzt?!
Als ich erschrak, habe ich nicht geklatscht:

Kläglich, glitschig, haltlos, mopsig
wie ein taunasser Igel in fahrlässiger Tollwut
mit seinen Stummelfüßchen stolpert er leise
und delektiert sich gierig: am Blütenkelchgut.

Oh süßer Nektar, süßere Nektarin,
die sich gebildet hat
in meiner Kniekehle:
Du edelste Treppenrosenprinzessin!
Leuchte, leuchte rosarot
leuchte, leuchte rosabraun:
klingle, gurgle, raune, maune
tief in meiner Leistengegend!

Bis der Schmerz: der tiefe dumpfe
scheppernd-weiche, rötlich fahle
meine Backen nicht mehr übertrumpfe
und nicht mehr glühe im blassen Rot des Windes.

Des Nachts im Himmel passiert Dada

Ina Kitroschat

Wolkenbilder haben meine Träume getötet,
denn sie ritten einfach nachts mit dir davon.

Sie verwandelten sich in Pferde mit Flügeln
und schwebten mit 60km/h an mir vorüber.

Auf ihrem Rücken saßt du
adrett wie eine Elfe

und ich hörte nichts weiter
als das Wiehern des Windes.

Kleine Klekse von Pferdeäpfelschäfchenwolken
hinterließen mir höhnisch ihre Grüße