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Herbstfarben (für Romina)

Ina Kitroschat

Grüne Blätter schluchzen leise,
andere weinen in bunten Farben.
Es stirbt sich still in braun und rot.
Ästhetischer Tod.
Ein buntes Sterben.
Welken, loslassen, sich fallen lassen.
Ein freier Sturz in den Herbst
erfolgt wie im nahenden Schlafe:
heimlich, unerwartet,
in bizarrer Leichtigkeit.
Ganz leise, still und ungefragt
liegt der Tod vor meiner Tür.
Es fragte niemand, ob er das darf.
Rote und braune Wechselfarben
erscheinen mir fad.
Die Farben schweigen.
Mir fehlt der Geruch von leuchtendem Grün.
Es riecht im Garten nach
bunter Tristesse.
In diesem Herbst lasse ich sie liegen.

Eure toten Ohren

Ina Kitroschat

Grillenflügel brüllen CO2 Frust in die Welt.
Ein Ruf, empört, gebrochen,
der Welten tadelt.
Er scheltet die,
die mit lachenden Benzingasen
über teilnahmslosen Asphalt poltern.
Welch ein skrupelloses Grau!
Verschüchtert, in Form geschnitten,
ducken sich die Halme.
Der blumig schwere Duft gemähter Wiesen
ist der einzig freie Zeuge der grausamen Tat.
Grillen rufen in Scharen ihre Wut durch’s Unterholz.
„Mensch. Wir weinen über deine toten Ohren,
die den Ruf der Elter Natur im Morast
versinken ließen!“